Tasten-C37

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Dieses Jahr bin ich 50 Jahre jung geworden und habe mir ein Gerät
gekauft, dass in meinen Augen, eines der schönsten und imposantesten
Tonbandgeräte überhaupt ist und das per (kein) Zufall auch
gleich alt ist, wie ich es bin.
Ein Röhrentonbandgerät das an Aufwand und Technik kaum zu
übertreffen ist.
Gross und wuchtig ein Monument an Mechanik und Elektrik.
Ein Tonbandgerät, dass als Kunstwerk bezeichnet werden kann.
Die Modulbauweise war zur damaligen Zeit revolutionär.
Die Maschine war ihrer (auch Heute noch) Zeit weit voraus!
Die Rede ist von der Studer C37. Auch als „Beatles- Maschine“ bekannt.
Zwar wurden die Aufnahmen mit ihrer grossen Schwester der J37
gemacht, aber das fertige Band wurde auf einer C37 abgehört.

So wundert es nicht, dass die Studer C37 zum Mythos geworden ist, sie
ist der Mercedes unter den Tonbandmaschinen. Eine Maschine,
die auch nach 50 Jahren nichts von ihrer Ausstrahlungskraft verloren hat.
Sie ist auch heute noch in vielen Studios im Einsatz.

Gebaut wurden die C37er Maschine von 1961 bis 1970.
Die Gesamtleitung hatte natürlich Willi Studer.
Die HH Guido Besimo und Ernst Mathys waren für die Entwicklung,
resp. für die technisch, praktischen Arbeiten verantwortlich.
Es gab 2 grundsätzliche Versionen. Die C37 (2Spur) und die J37 (4Spur).
Anfang 1967 waren schon 1’000Stk. von der C37er verkauft.
Über die 10 Jahre wurden rund 1'800 Stk. von den C37 Maschinen verkauft.
Eine C37er kostete damals 12’000 DM. Sieht man den Aufwand, Material
und Technik, die dieser Tonbandmaschinentraum hat, so würde sie heute
rund 15x mehr kosten.
Die Maschine hat 20 Röhren und ist grösstenteils mit Industrieröhren
bestückt, die halten länger und sind robuster!
Sie hat drei Hauptmotoren!
Modulare Einheiten alle sauber getrennt und in eigenen Blechboxen.
Also eine Kanaltrennung in Reinkultur!
Von der C37 Version, gab es meines Wissens 4 Serien MK I bis IV.
Die Serie 1-3 ist daran zu erkennen, dass die Glühbirnen,
220Volt und 60Watt haben.
Ab der 4ten Serie hatten die Glühbirnen dann 150V / 25W.
Auch die „Capstanmotoren“ waren je nach Serie anders, stetige
Verbesserungen wurden auch während der Produktion gemacht.Die Verbindungskabel XLR sind speziell, denn es braucht zwei Kabel, die auf jeder Seite zwei „Männliche“ Stecker haben und es braucht zwei Kabel, die auf jeder Seite zwei „Weibliche“ Stecker haben. Normalerweise sind die Verbindungskabel mit je einem „Männlichen“ und einem „Weiblich“ XLR-Stecker versehen.
Die Anschlüsse an den Steckern sind richtig, d.h.:
1= Erdung 2= Warmleiter 3= Kaltleiter.

Die Studer C37 ist eine Analoge Röhrenmaschine die nicht nur in
den berühmten Abbey Road Studios geschätzt wurde, sondern auf
der ganzen Welt. In den Abbey Road Studios wurde die C37
sogar mehr geschätzt, als die Telefunken Geräte.
Der Frequenzbereich der Studer C37 geht normalerweise von
30Hz bis 15kHz. Meine geht mit der 15er Einstellung bis 20kHz hinauf,
alles eine Sache der Bauteile, des Bandes und der richtigen Einmessung.
Also weit über die damaligen Werksangaben hinaus!

Anmerkungen:
Wer braucht schon mehr als 20kHz, nur die Fledermäuse…………..
Das „HiFi- Marketing“ will uns da was anders weiss machen, aber der
gesunde Menschenverstand sagt da was anderes. Schliesslich wurden uns
die CD’s damals ja auch als das "Non plus ultra" angepriesen,
was sie ja in Wirklichkeit nicht sind.
Und das Berühmt berüchtigte MP3 Format, nun ja jemand sagte mal,
MP3 ist akustische Umweltverschmutzung……da kann ich nur zustimmen!
Ein Modetrend ist es auch mit viel Bass, wenig Mittelton und mit
viel Hochton Musik zu hören…
Sicher alles Geschmacksache, aber leider gehen durch diese Extreme
das richtige Musikhören verloren, denn viele wissen gar nicht mehr,
wie eine Musikanlage richtig tönen muss und wie ein
Musikstück zu tönen hat….

-*-

Aber zurück zu meiner Geschichte, wie ich zu meinem
Geburtstagsgeschenk gekommen bin:
Als ich mal meinen Freund Urs Steiner in der Werkstatt besucht
habe, stand da eine sauber gereinigte Tonbandmaschine.
Magisch zog es mich zu dieser imposanten Erscheinung hin.
Grosse Tasten, eine wuchtige Schönheit im Hammerschlagoutfit.
Eine Studer C37. Ehrfürchtig habe ich sie mit meinen Händen berührt.

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Die Haptik und Optik ist ein Traum und da wusste ich, die muss ich haben!
Leider konnte ich sie nicht gleich mitnehmen, weil sie zwar schön aussah,
aber technisch noch einiges an Arbeit erforderte.

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Kondensatoren, Röhren, Kugellager, Andruckrolle u.s.w. mussten noch
ersetzt werden. Ölen und neu Einmessen musste man sie auch noch.
Urs Steiner und vorallem Simon Kummer würden sie technisch
auf Vordermann bringen. Simon ist 20 Jahre jünger als die C37,
aber er kennt die Maschine durch und durch!
Leidenschaft und Sachverstand ist eben keine Frage des alters!
Simon Kummer hat mir die Maschine auf das SM911er Band
eingemessen, so war es überhaupt möglich den Frequenzgang
der Maschine auf 20kHz zu erhöhen. Es wurden einige Erneuerungen
an der Maschine vorgenommen, die aber äusserlich nicht
sichtbar sind. Für mich ist das o.k., denn ich wollte das ganze
Potential der Maschine ausnutzen.
Am Besten beschreibt das unten stehene Zitat das oben erwähnte:
Offen sein für die Gegenwart, die Vergangenheit nicht vergessen
und die Zukunft stets im Auge behalten!

 
 

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Das SM911 Band, hat den Vorteil dass es tonkopfschonend ist, es macht
auch weniger Schmutz an den neuralgischen Stellen.
Ich muss sagen, dass Ding tönt so was von gut…….. Digital ist gut,
aber Analog ist halt eben noch viel besser und
die Analogtechnik mit Röhren ist das Mass aller Dinge!

Kann eine Kopie besser tönen als das Original……..
Seit ich diese Maschine habe und über meine super genauen
Studer A823 Boxen laufen lasse, kann ich sagen, ja es kann.
CD’s die ich mit der C37 auf das Band kopiert habe, tönen ab
Band besser, viel besser, unglaublich aber wahr!

Der Preis für das Ganze, nun ja über Geld redet man nicht, aber ich
kann sagen das Preis / Leistungsverhältnis stimmt für mich!
Ich bin mit der Maschine restlos zufrieden und das ist es doch,
was wichtig ist, oder.....

Hier ein paar Tipps:
1.
Das SM911er Band ist für mich die beste Variante.
Einschränkend muss ich jedoch sagen, dass ich mit der Maschine
ausschliesslich LP’s, CD’s und Radiosendungen aufnehme.
Für ein Studio, dass Liveaufnahmen macht, wäre ev. das SM900er besser.

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2.
Spendiert der Maschine ein gutes Stromkabel.

Kabel
3.
Der Capstanmotor wird, wenn man die Maschine über 2 Stunden
im Einsatz ist, zuweilen sehr warm. Darum habe ich mir zwei
Lüfter (24Volt) besorgt, die so leise laufen, dass man sie nicht hört.
Die Wirkung ist super der Motor wird höchstens noch Handwarm
und dass ist für die Lebensdauer jedes Bauelementes von
grossem Vorteil.
Der Vorteil dieser Konstruktion ist, dass an der
Maschine keine Veränderung vorgenommen werden muss und dass
sie innert sekunden wieder entfernt werden kann. Ausserdem sieht man
die Lüfter nicht, wenn man die Abdeckung montiert hat.

Luefter
4.
Vor jeder Aufnahme die Tonköpfe mit IPA reinigen und dann mit
der Drossel entmagnetisieren.

Drossel

PS: IPA oder Isopropyl- oder Isopropanol- Alkohol, ist ein
hochreiner Alkohol, der rückstandslos verdampft.
5.
1x pro Jahr einen Tropfen Öl in die Kapstanmotoröffnung geben,
aber Achtung nur das Mobil Heavy, ja kein anderes verwenden.

Oel


Hab mir eine Flasche gekauft, die sollte die nächsten 20 Jahre halten.
Wer so eine Maschine hat, sollte sich auch so eine Flasche besorgen,
denn das Öl wurde von Mobil durch ein anders ersetzt, dass
nicht mehr so gut geeignet ist, also einen Vorrat anlegen.

Oel-2
6.
Die ersten drei C37 Versionen haben Glühbirnen mit 220Volt 60 Watt
drin. Einfach die bestehende Fassung gegen eine schraubbare
austauschen, so kann man Standard Glühbirnen verwenden, die
einen Schraubverschluss haben. Achtung, auch hier
einen Vorrat an Birnen anlegen, denn ab 2012 werden
in der Schweiz keine solchen Birnen mehr im Handel sein…..

Birne

Zu guter letzt:
Hier noch ein paar Fotos von der Abholung und von zuhause...

Abhol-1Abhol-2

VorneHinten

Offen

Serienr

Tonköpfe gibt es in verschiedenen Varianten für die C37.
Siehe Zusammenstellung weiter unten.
PS: Falls alle Stricke reissen, kann man auch die G36 Köpfe einbauen.
PPS: den Löschkopf muss man so gut wie nie wechseln, der hält ewig.

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Tonkopfarten

Mono-, Normale 2 Spur- und Schmetterlingsköpfe.
Es gibt auch hier ältere Versionen und neuere.
Jeweils von links nach rechts...
-*-
So, in einigen Tagen werde ich noch eine von mir entworfene
Plexiglasabdeckung für das Gerät erhalten....
Fotos und eine Skizze, sowie der Hersteller,
werden dann noch nachgetragen.
Ausserdem bin ich mir am überlegen, an meine Maschine
ein Vorschaltgerät zu montieren, dass genau 220 Volt liefert,
denn wie schon bei dem Thorens TD124 erwähnt, siehe Regal
diverse HiFi- Geräte, könnte das für die Maschine von Vorteil sein,
aber da muss ich mir noch ein paar Gedanken machen, denn
dieses Gerät sollte den Belastungen der C37 standhalten,
dazu später also mehr.

Schöne Studer C37er- Grüsse

Markus Moser

Markus Moser